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Die Coffe=Schlacht von Wartenburg
Am 3.Oktober 1813 ließ Blücher
bei Elster
zuerst ein Vorauskommando in Booten über die Elbe setzen
und dann Brücken zum Übergange der Schlesischen Armee auf das westliche Ufer schlagen .
Zur Kräftigung der Excellenz wurde in der Elsterschen Bäckerei Käpernick,
direkt an der Straße nach Wittenberg gelegen, ein Frühstück bestellt, bestehend aus Coffee und einer Leberwurststulle.
Solcher Verköstigung sollten gleicherhalben auch die Mitglieder des Stabes des Generals von Blücher bedacht werden.
Der Bäcker Käpernick und insbesondere seine Ehefrau waren ob dieser hohen Ehre natürlich sehr besorgt
(Woher nehmen in diesen schweren Zeiten?), als auch gebauchpinselt und mühten sich redlich, dem Wunsche gerecht zu werden.
Nun war es Prinzip der Frau Bäckerin, daß ein jedes Gedeck, also jede Tasse Coffee mit Stulle,
einzeln dem gedachten Empfänger an den Tisch gebracht werde.
Ein Verfahren, welches, bei einem so umfangreichen Kundenkreis, wie dem Stab
des Generals von Blücher, nicht nur ohnehin ingesamt recht langsam zum Erfolge führte,
sondern diesmal insbesondere sich noch verlängerte, da mit Fertigstellung der Brücke Seine Excellenz
und der Stab sich auf das linke Ufer der Elbe und weiter nach den Dämmen von Wartenburg hin verfügte.
Somit wurden natürlich die Wege der Bäckerin, um jede einzelne Tasse mit zugehörigem Brote zuzustellen,
immer weiter und der Vorgang insgesamt verbrauchte mehr und mehr Zeit.
Das alles wäre ein Problem des Blücherschen Stabes geblieben, wenn nicht der Herr General=Lieutenant von Yorck gleichfalls
gern eine Tasse Coffee genossen hätte, die ihm am Morgen, beim Übergange über die Elbe mit seinen Truppen, nicht hatte gereicht werden können.
Der Coffee=Durst des Herrn Generals wäre vielleicht in den Hintergrund getreten, wenn es im Verlaufe der Kämpfe
merkbare Fortschritte gegeben hätte, aber vor den Elbdeichen von Wartenburg, die von Fontanellis Italienern und Morands Franzosen
tapfer verteidigt wurden, standen Yorcks Soldaten knietief im Moraste, in ein verlustreiches, aber erfolgloses Feuergefecht verwickelt.
Andererseits konnte der Herr General irgendwo weiter hinten immer wieder ein Frauenzimmer mit einzelnen Coffee=Tassen beim Stabe
seines Kommandierenden Generals (und, schlimmer noch, bei diesem Stubengelehrten Gneisenau) herumirren sehen, und er,
der Held von Eckau und Tauroggen, kam nicht zu seinem kleinen Labsal !
So riß denn irgendwann dem General von Yorck der Geduldsfaden: „Wenn ich nicht balde meinen Coffee habe,
werde ich wirklich ungemütlich!“ brummte er seinen Adjutanten von Roeder an. Dies Wort kam dem General=Major von Horn,
Kommandeur der 7ten Brigade zu Ohren. Der und die Soldaten der Siebten wußten, was es hieß, wenn „der Alte Isegrimm“ ungemütlich wurde......
“Ein Hundsfott, wer noch einen Schuß abgibt !“ rief also General von Horn und griff sich die Muskete eines Gefallenen,
„zur Attacke das Gewehr Rechts und mir nach!“
Wie ein electrischer Stoß fuhr dies Kommando durch die Reihen vom 2ten Bataillon des Leib=Infanterie=Regiments !
Sie folgtem ihrem geliebten ehemaligen Regimentskommandeur die Wälle von Wartenburg hinauf,
warfen die italienischen Verteidiger
und stürmten weiter bis zum Schlosse von Wartenburg,
wo sie einem letzten Häuflein sich
tapfer wehrenden Franzosen entwanden
deren Coffee=Kanne,
die sogar noch den so heiß geliebten Trank enthielt, der dann dem „Alten Isegrimm“ gereicht werden konnte.
Diese That hinterließ beim General von Yorck dermaßen Eindruck, daß selbiger am folgenden Tage beim Vorbeimarsche der Truppen
mit den Worten „Das ist das brave Bataillon, vor dem die ganze Welt Respekt haben muß!“
die Mütze vor dem 2ten Bataillon Leib=Regiments abnahm.
Submissest
Scheibe, Fw.
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