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Brief in die Haupt=Stadt und Residentz, betreffend das Treffen beim Ritter=Guthe Dorstadt im Braunschweigischen
am 15ten Maius 2009
Meine libe Germelmannin !
Ich war Ihnen ja noch ein Briefgen schuldig, welches von unserem letztgehabten Treffen,
Sie in Kenntnis sezzen soll:
Wiewohl über die Unternehmungen des Lieutenant Katte und des Major von Schill im Magdeburgischen bei den officiellen Stellen Still=Schweigen herrscht,
ist doch soviel bekannt, daß nicht nur etliche Soldaten des Füsilier=Battaillons vom Leib=Regimente, sondern auch eine
Section,
von der 6ten Compagnie
im Königreiche Westphalen unterwegs sind, um den hiesigen Unterthanen nicht nur unseres Königs, sondern auch des Fürsten von Braunschweig dabei zu helfen,
die Franzosen davonzujagen.
So kam es denn, daß sich unsere Section bei dem
Ritter=Guthe Dorstadt,
(bei Wolfenbüttel) mit zween Sectionen
Churmärkischer,
und Westphälischer Landwehr vereinigte.
Dieserart zu einem
Bataillon,
zusammengeschloßen, unterstützten wir die Soldaten des herrlichen
Braunschweigischen Feld=Corps,
bei dem Versuche, eine
frantzösisch,
/
sächsische,
Marsch=Colonne aufzureiben.
Die Herren
Officirs,
befinden sich gar wohl bei dem Gedancken, Rache für Jena zu üben.
Dieses Ritter=Guth ist ein gar besonderer Ort: Es findet sich hier nämlig nicht nur propre
Frauenzimmer,
, sondern auch, daß die Geister längst vergangener Ahnen und Epochen umgehen!
Und dies in einer Dichte, wie ich es bisher selbtsten beim Lesen der wildesten Romane nicht für möglich gehalten hätte!
Es gehen hier die Geister nicht nur von
römischen Legionaren,
und
sächsischen Kriegs=Knechten,
oder
Burg=Fräuleins,
um, sondern ach die von
Holckschen Jägern,
wie man sie jüngst noch auf der Bühne vom Berliner Schauspiel=Hause sah!
Ja, mehr noch ! geistern doch auch Gestalten durch die Gegenden, welche nich keiner von uns je gesehen oder bei irgend einem Schulmeister erwähnt gefunden hat!
Sollten das die Zukunft seyn, die wir diesem Corsischen Ungeheuer verdanken ?,
derart unansähnliche Uniformen?
Wie dem auch sey, der Tag ließ sich nicht schlecht an!
Nach dem Besuche eines
Feld=Gottesdienstes,
querten wir mit dem Muthe von Löwen einen breiten Bach und
störtzten uns auf den Feind, .
Nach anfänglichen Erfolgen ließ uns dann aber das
Glück im Stich
- Mit hohen
Verlusten,
mußten wir den Wahlplatz räumen und konnten
mit großer Mühe,
die Fahne retten!
Wiewohl nur die Fahne, der
Unteroffizier Burow 2
, der Jäger Pralow
und ich uns retten konnten (freilich blessirt), hoffe ich doch, daß einige der Männer sich rantzioniren können,
damit wir uns nach Oestreich durchschlagen, denn wie man hört, soll es dort jezze wieder losgehen!
Eines muß ich aber doch noch anfügen:
Zu den Mannschaften im Englischen Hülfs=Corps gehörten auch
Schott=Länder. Wahrlich ein wunderliches Volk: Sie tragen Weiber=Röcke.
Gleichwohl sagt man ihnen grosse Tapferkeit nach.
Jörg Scheibe, Feldwebel
Magdeburg, am 6ten Junius 2009
Bildgen: (auch) Falk Huber, Ellie Wout
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