Pflichtschuldigster Bericht, betreffend das Treffen von Kerzendorf
am 6ten und 7ten Julius 2007

Auf dem Marsche zum Regiment war eine kleine Section von der 6ten Compagnie einem gemischten Corps zugetheilt worden, das die geliebte Hauptstadt des Vaterlandes gegen das Vordringen des Corsischen Thronräubers schützen soll.

Dieses Corps entsandte eine Vorausabtheilung nach Kerzendorf, unweit der Übergänge über den Nuthe=Graben. Dies Abtheilung unter dem Commando des Capitain Brauer von der Churmärkischen Landwehr=Brigade richtete ein Bivouac ein und stellte Posten aus, gantz, wie es die Vorschriften zum Kleinen Kriege vorsehen. Beim Rondengehen und Posten=Anrufen that sich der Landwehr=Unteroffizir Zemper löblich hervor. Offensichtlich fehlgeleitet durch schlächte Charten, war eine gantze weitere Abtheilung der Landwehr vom Wege abgekommen und fehlte bei der Besetzung der Posten. Ein kleines Cavallerie=Detachement, das zur Atheilung gehörte, setzte den Herrn Capitain in Kenntnus, dass der Feind jenseits des Nuthe=Grabens lagerte. Durch wohlmeinende Landes=Bewohner wußten wir, daß der Feind zwar sein Lager jenseits des Grabens hatte, daß er gleichwohl nicht dortgeblieben war, sondern auf unserer Seite streife. Wenngleich alarmiert, war unsere Abtheilung doch zu schwach, den mit überlegenen Kräften angreifenden Feind gehörig abzuwehren. Das Bestreben, den vorgeschriebenen Wacht=Dienst in der Nacht aufrecht zu erhalten, nutzte eine weitere Streif=Parthei des Feindes aus und überfiel das Bivouac just, als es fast aller Vertheidiger entblöst war, weil die Posten aufgeführt wurden.

Damit war nun freilich fast die gantze Mannschaft dem Zugriff des Feinds entzogen und konnte durch den Herrn capitain gesammelt werden, um eine Schleich=Patrullje zu formieren, die nun wiederum das sächsische Lager überfiel.

Kaum war die Schleich=Patrullje zurücke, erfolgte ein erneuter Angriff der Frantzosen. Bei dem wurden der Berichtende und ein Mann von der Braunschweigischen Avantgarde gefangen.
Ich konnte mich aber rantzionieren.

Die vermehrte Anspannung der Nerven und des Gemüthes muß dann dazu geführt haben, daß Spannkraft und Aufmerksamkeith auf alliirter Seite nachließen. Jedenfalls konnten wir einem weiteren Überfall im Morgengrauen nicht genug entgegensetzen und wurden überrannt, obwohl sich der Wehrmann Franz heftigst dagegen wehrte.

So kam es denn, daß aus unserem Bivouac ein Gefangenen=Lager ward, mit einer gemischten Wacht=Mannschaft. Und der regendichte Unterstand für die Officire wurde zum Sammelplatz frächer Rheinbund=Soldaten. Nun ja, letztlich zog der Feind wieder ab, nachdem er all unsere Vorräte vertilgt hatte. Eine am Samstagabend ausgesendete weitere Patrullje sah bis zum Nuthe=Graben keine Spur mehr von ihm.

Jörg Scheibe, Feldwebel

Magdeburg, am 15ten Julius 2007