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Pflichtschuldigster
Bericht über die Bataille bei Plancenoit
am 18ten Junius 2005
Herr Major,
mit forcierten Märschen, die immer wieder unter Theilen der Truppen sich ihre Opfer suchten, näherte sich die Brigade dem Schauplatze der entscheidenden Schlacht.
Durch die aufklärende
Kavallerie
war die
Armee-Führung
in der Kenntnus, daß der Feind sich bei dem Dorfe Plancenoit versammelt hatte, um den entscheidenden Schlag aufzufangen.
Da es
noth that,
wurde auf dem Marsche
excercirt.
Das Leib=Regiment hatte in seinen Reihen einen Rest der Hessischen Grenadier-Garde und formirte zusammen mit dem Colbergeschen Regiment sowie einem Detachement des östreichichen Regiments Colloredo und der gewesenen Kaiserlich-Deutschen Legion
ein Bataillon, das vom Major Hübler geführt wurde.
Auf dem Hinmarsche nach Plancenoit kam das Leib-Regiment an dem letzten
Quartier Napoleons
vorbei, dem es einen kurzen Besuch abstattete.
Am Sonntage gleich nach dem Gebet traf das Heer bey brüthender Hitze auf den Feind. In langem und zähem
Ringen
gelang es uns, vereint mit den
Engländern,
den Holländern und anderen Alliirten,
die Franzosen
schließlich aufs Haupt zu schlagen.
Allerding ist es erstaunlich, daß seitens der Heerführer auf Brigade-Ebene eine solche hartnäckige Affination zur
Linear-Taktik
betrieben wird,
daß es nur ein einziges Mal gelang, das Bataillon in
Colonne
zu setzen. Selbst der Sturm auf das letzte
französische Quarrée
erfolgte befehlsgemäß en ligne,
was sich in den Verlusten der alliirten Kräfte bemerkbar machte. Diese Verluste betrafen allerdings weniger unser Bataillon, als vielmehr die
Landwehr.
Zu den bemerkenswerthen Eindrücken dieses Feldzuges gehört ganz ohnzweifelhaft die Vielzahl der
Frauenzimmer,
nicht nur gut an Wuchs sondern -nach so viel Jahren Krieg- auch wohl mit Kleidung versehen.
Die lange Tyrannei des Korsischen Ungeheuers scheint in Frankreich keineswegs solch verderbliche Wirkung gehabt zu haben, wie in der Heimath.
Magdeburg, am 11ten Julius 2005
Jörg
Scheibe, Unteroffizier
N.B. Unbedingt erwähnt werden
muß abermalen, daß das Lager war wiederum hervorragend durch den Fourier-Unteroffizier Beyer und den Marsch-Commisarius Wittlief vorbereitet war.
Auch die Versorgung mit Subsistenz-Mitteln war durch die genannten nebst der Schwester des Wittlief zur vollen Zufriedenheit organisiert.
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