Pflichtschuldigster Bericht über die Bataille an der Moskwa
am 8ten September 2002

In Verfolg der Verpflichtungen, die Unser Gnädiger König durch seinen Beistandspakt mit dem Kaiser Napoleon eingegangen ist, verschlug es 4 Musketiere vom Leibinfanterie=Regiment, 6.Compagnie, in die Wälder westlich von Moskau, als das Alliirte Heer auf den Feind stieß.

Die Mannschaft vom Leib=Regiment war dabei Bestandtheil einer Marsch-Colonne, in der außerdem Sächsische Leichte Infanterie, Preußische Kavallerie und Artillerie sowie Französische Infanterie sich befand.

Am Samstag, dem 7ten, versammlete der commandirende Marschall Ney die ihm unterstellten Truppen und munterte sie mit einer vaterländischen Ansprache auf, daß die Reichthümer der goldenen Stadt Moskau nur ein paar Tage weit voraus warten. Der folgende Tag solle die Schlacht bringen,die all den bisherigen Strapazen ein Ziel setze. Bis dahin freilich hatte Glück, wer einen Platz in einem Zelt oder einer Laub=Hütte fand.

Es steht gleichfalls zu vermuthen, daß der Russische Befehlshaber die seinen Truppen, von denen er viel der besten zusammengezogen hatte, ebenfalls durch Worte und Gesten anfeurete.

Für den Tag der Schlacht wurden die Mannschaften vom Leib=Regiment einer combinirten Division aus polnischen, bayrischen, und französischen Truppen zugetheilt, in der sich auch ein Detachement vom Preußischen Garde-Jäger-Bataillon fand.

Der Kampf war von einer Heftigkeit, wie er keinem der Betheiligten je vorgekommen war. Unter den Hufen der Cavallerie erzitterte buchstäblich der Boden.

In wiederholten Versuchen mit massierten Sturm-Colonnen trachtete der Marschall, die Russen aus ihren Verschanzungen zu werfen und erreichte doch nur, daß ihre erbitterte Gegenwehr die Alliirten am Ende des Tages in Besitz der Schanzen, aber keines Fußbreits Bodens darüber hinaus setzte.

Die Mannschaften des Leib-Regimentes wurden am Tage nach der Schlacht sämtlich mit Kurierpost in die Heimat geschickt (so auch die Überreste der Preuß.Cavallerie und der Sachsen) und hatten somit das Glück, dem erwarteten häßlichen Winterwetter in Rußlands Gefilden entronnen zu sein.

Magdeburg, am 21. September 2002

Jörg Scheibe, Unteroffizier